EU AI Act für kleine Betriebe: Was ab dem 2. August 2026 wirklich gilt — und was gerade verschoben wurde
In sieben Wochen — am 2. August 2026 — wird der nächste große Block der EU-KI-Verordnung anwendbar. Viele Artikel im Netz erzählen dir dazu Dinge, die seit Mai 2026 nicht mehr stimmen: Die EU hat einen erheblichen Teil der Pflichten gerade nach hinten verschoben. Hier ist der ehrliche, aktuelle Stand für Betriebe, die KI-Tools wie ChatGPT, Canva oder Chatbots nutzen (nicht entwickeln).
Entwarnung mit Sternchen: Für reine KI-Nutzer bringt der August 2026 vor allem zwei Dinge — dein Website-Chatbot muss sich als KI zu erkennen geben, und täuschend echte KI-Bilder (Deepfakes) musst du kennzeichnen. Normale Canva-Grafiken und Illustrationen: nein. Die gefürchteten Hochrisiko-Pflichten (z. B. KI im Recruiting) wurden auf Dezember 2027 verschoben. Und die Schulungspflicht für dein Team? Die gilt schon seit Februar 2025 — eine dokumentierte Stunde reicht.
Am 7. Mai 2026 haben sich EU-Rat und Parlament im „Digital Omnibus" politisch geeinigt: Die Hochrisiko-Pflichten (Anhang III — u. a. KI in Bewerbungsverfahren, Kreditvergabe) starten statt August 2026 erst am 2. Dezember 2027; für KI in regulierten Produkten sogar erst August 2028. Wichtig: Die formale Annahme läuft noch (Plenarabstimmung im Juni, Amtsblatt voraussichtlich Juli 2026) — wir aktualisieren diesen Artikel, sobald es amtlich ist.
- Der aktuelle Zeitplan (mit den Verschiebungen)
- Deine Pflichten-Tabelle als Nutzer-Betrieb
- Chatbot auf der Website: der KI-Hinweis
- KI-Bilder: Was du kennzeichnen musst — und was nicht
- Die Schulungspflicht (gilt schon!) in 60 Minuten erfüllen
- Die Recruiting-Falle (ab Ende 2027)
- Bußgelder & wer in Deutschland kontrolliert
- Die 5 größten Mythen
- Was noch unsicher ist (Transparenz)
- Häufige Fragen
Der aktuelle Zeitplan — Stand 11. Juni 2026
* Politische Einigung vom 07.05.2026; formale Annahme (Plenum + Amtsblatt) für Juni/Juli 2026 erwartet. Bis dahin formal noch alte Rechtslage.
Deine Pflichten-Tabelle als Nutzer-Betrieb
| Pflicht | Gilt ab | Betrifft dich? | Dein To-do |
|---|---|---|---|
| KI-Kompetenz (Art. 4) | läuft seit 02/2025 | JA — jeder | 1 h Team-Schulung, Datum + Teilnehmer notieren |
| Chatbot-Offenlegung | 02.08.2026 | Ja, wenn Chatbot auf der Website | Prüfen: zeigt der Bot einen KI-Hinweis? |
| Deepfake-Kennzeichnung | 02.08.2026 | Nur bei täuschend echten KI-Inhalten | Fotorealistische KI-Personen/Szenen kennzeichnen |
| Maschinenlesbares Wasserzeichen | 08/2026 (Übergang bis 12/2026) | Nein — Anbieterpflicht | Etablierte Tools nutzen (machen das selbst) |
| Hochrisiko-Betreiberpflichten (z. B. Recruiting-KI) | 02.12.2027* | Nur bei KI-Bewerbungsbewertung | Vormerken; DSGVO gilt dort schon HEUTE |
| GPAI-/Modell-Pflichten | seit 08/2025 | Nein — trifft OpenAI & Co. | — |
Chatbot auf der Website: der KI-Hinweis
Ab dem 2. August 2026 müssen KI-Systeme, die mit Menschen interagieren, so gestaltet sein, dass klar ist: Hier antwortet eine Maschine. Die Design-Pflicht trifft formal den Anbieter (Tidio, ManyChat & Co.) — aber praktisch solltest du prüfen, dass dein eingebundener Bot den Hinweis auch wirklich zeigt, spätestens bei der ersten Interaktion. Ein „KI-Assistent"-Label im Chat-Fenster genügt.
KI-Bilder: Was du kennzeichnen musst — und was nicht
Die wichtigste Entwarnung des ganzen Gesetzes — mit einem Sternchen:
- Kennzeichnen musst du als Nutzer nur „Deepfakes": KI-Inhalte, die täuschend echt wirken und reale Personen, Orte oder Ereignisse zeigen — also Inhalte, die ein durchschnittlicher Betrachter für authentisch halten würde.
- NICHT kennzeichnungspflichtig: offensichtlich künstlerische oder fiktive Inhalte — deine Canva-Illustration, die Comic-Grafik, das abstrakte Social-Media-Visual. Auch KI als bloßes Hilfswerkzeug (Textkorrektur, leichte Bildretusche) löst keine Pflicht aus.
- Die Grauzone: fotorealistische KI-„Menschen" ohne reales Vorbild (das KI-generierte „Kundenfoto"). Juristen tendieren zu: kennzeichnen, wenn es täuschen kann. Unsere Empfehlung: im Zweifel ein dezentes „KI-generiert" — kostet nichts, schützt viel.
- KI-Texte: Werbetexte und Blogartikel mit redaktioneller Kontrolle sind praktisch nicht betroffen (die Pflicht zielt auf journalistische Information der Öffentlichkeit).
Übrigens: Instagram & TikTok verlangen die KI-Kennzeichnung über ihre Plattformregeln teils schon heute — wie das praktisch geht, steht in unserem Social-Media-Guide.
Die Schulungspflicht (Art. 4) — gilt SCHON, in 60 Minuten erfüllt
Das übersehen die meisten: Seit dem 2. Februar 2025 muss jeder Betrieb, der KI einsetzt, für „ausreichende KI-Kompetenz" seines Teams sorgen — ohne Größen-Untergrenze, auch beim 3-Personen-Betrieb mit ChatGPT-Account. Die gute Nachricht: Kein Zertifikat, kein Pflicht-Kurs, kein direktes Bußgeld. Was reicht:
- 1 Stunde Team-Runde: Welche Tools nutzen wir? Was können sie, wo irren sie (Halluzinationen)? Welche Daten dürfen NIE hinein (Kundendaten ohne AVV)? Wer prüft Ergebnisse?
- Eine Notiz: Datum, Teilnehmer, Themen — abgelegt. Das ist deine Dokumentation.
- Bei neuen Tools wiederholen.
Die Recruiting-Falle — jetzt erst ab Dezember 2027, aber …
KI, die Bewerbungen filtert, bewertet oder rankt, ist Hochrisiko-KI (Anhang III). Die strengen Betreiberpflichten dafür (menschliche Aufsicht, Protokolle, Mitarbeiter-Information) kommen nach der Omnibus-Einigung erst am 2. Dezember 2027. Aber zwei Dinge gelten schon heute: Erstens die DSGVO — vollautomatisierte Ablehnungen ohne menschliche Letztentscheidung sind bereits jetzt ein Problem (Art. 22 DSGVO). Zweitens: ChatGPT zum Formulieren der Stellenanzeige ist völlig unkritisch — die Falle ist die automatische Bewertung von Menschen.
Bußgelder & wer in Deutschland kontrolliert
- Rahmen: Verstöße gegen die Transparenzpflichten bis 15 Mio. € oder 3 % des Umsatzes — für KMU gilt ausdrücklich der jeweils niedrigere Wert.
- Aufsicht in DE: Die Bundesnetzagentur wird zentrale KI-Aufsicht (mit „KI-Service-Desk" als Anlaufstelle). Das deutsche Durchführungsgesetz (KI-MIG) steht unmittelbar vor der Bundestags-Schlussabstimmung (angesetzt für den 11.06.2026) — danach noch Bundesrat.
- Realistisches Risiko für Kleinbetriebe: in der Anfangsphase niedrig — die Behördenstruktur entsteht gerade erst, der erklärte Ansatz ist beratungsorientiert. Das wahrscheinlichere Ärgernis sind wettbewerbsrechtliche Abmahnungen bei offensichtlichen Verstößen (z. B. fehlender Chatbot-Hinweis) — Einschätzung von Kanzleien, noch ohne Rechtsprechung.
Die 5 größten Mythen — kurz richtiggestellt
Was noch unsicher ist — volle Transparenz
Wir sagen dir auch, was wir (noch) nicht sicher wissen:
- Der Digital Omnibus ist formal nicht beschlossen — nur politisch geeinigt. Scheitert der Zeitplan wider Erwarten, gälten ab 2. August 2026 formal die alten Fristen. Wir aktualisieren diesen Artikel nach der Plenarabstimmung.
- Bei der Wasserzeichen-Übergangsfrist sind sich die Quellen uneins, ob sie nur für Bestandssysteme oder alle gilt — für dich als Nutzer ohnehin nachrangig.
- Detail-Leitlinien zu Art. 50 (z. B. Marketing-Grenzfälle) stehen noch aus — die Grauzone „fotorealistische KI-Models" bleibt vorerst Grauzone.
- Das deutsche KI-MIG ist noch im Gesetzgebungsverfahren (Stand 11.06.2026).
Häufige Fragen
Muss ich meine Canva-Grafiken ab August kennzeichnen?
Gilt die Schulungspflicht wirklich auch für meinen 2-Personen-Betrieb?
Was wurde im Mai 2026 genau verschoben?
Wer kontrolliert das in Deutschland — und wie streng?
Ich nutze KI nur für interne Texte — betrifft mich der AI Act überhaupt?
Zwei Pflichten, ein Termin: die DSGVO-KI-Checkliste
Punkt 5 (Team-Regeln) erfüllt gleich die AI-Act-Schulungspflicht mit — 6 Punkte zum Abhaken, sofort verfügbar.
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